Prof. Joseph Schneid (1854 - 1926)
Er war der Vater der Wemdinger Geschichtsschreiben.
Wer sich mit der Wemdinger Geschichte intensiv beschäftigen will oder auch nur eine spezielle Auskunft sucht, kommt an den Archivarbeiten des Pfarrers Joseph Schneid nicht vorbei. Er hat die nachhaltigsten Spuren in der Erforschung der Wemdinger Geschichte hinterlassen.
Das Wemdinger Archiv hat schon mehrere Personen veranlasst, in seinen Urkunden und Schriften der Geschichte Wemdings nachzugehen. Vor allem Geistliche haben die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten in Chroniken und Aufsätzen niedergeschrieben und zum Teil veröffentlicht. Darunter ist Pfarrer Laber, ehemals Pfarrer in Huisheim, der ab 1836 eine Chronik in drei Bänden herausgab. Die „Ortsgeschichte von Wemding“ des Pfarrers Seitz aus dem Jahr 1948, ruht noch unveröffentlicht im Archiv.
Dazwischen fällt die Schaffenszeit von Joseph Schneid. Geboren ist er am 11. Dezember 1854 in Wemding als Sohn des Säcklers Franz Josef Schneid im Haus mit der Nummer 234, in der heutigen Weißenbachstraße 9. Mit fünf Jahren wurde er in die Werktagsschule Wemding eingeschult, die er sechs Jahre lang besuchte. Joseph Schneid erzielte hier durchwegs gute bis sehr gute Noten und war Fortgangsbester. Ab Oktober 1866 ging er „zum Studieren nach Eichstätt“ ins Gymnasium. Von 1873 bis 1878 war Schneid Student am Lyzeum – der damaligen Hochschule in Eichstätt.
Am 26. Mai 1878 erfuhr er die Weihe zum Priester. Seine erste Dienststelle trat er im Juni 1878 in Hilpoltstein als zweiter Kooperator an. Anschließend, eineinhalb Jahre später, war er Seelsorger als Kaplan in Neumarkt, bevor er im Januar 1882 dritter Dompfarrkooperator in Eichstätt wurde. An der Lateinschule in Ingolstadt war Schneid ab November 1882 als Religionslehrer angestellt. Zurück in Eichstätt lehrte er 1896 am humanistischen Gymnasium das Fach Religion. In den verdienten Ruhestand, den er noch gut sechs Jahre in seiner Heimatstadt Wemding erleben durfte, ging Schneid im Februar 1920. 1926 starb er an den Folgen eines Schlaganfalls.
Mit großer Beteiligung der Bevölkerung und der verbundenen Geistlichkeit wurde er im Wemdinger Priestergrab bestattet. Die Stadt war und ist Schneid zu überaus großem Dank verpflichtet. Eine Würdigung dieses so eifrigen und tüchtigen Geschichtswissenschaftlers vorzunehmen, fällt weder leicht noch schwer. Einerseits ist es unzweifelhaft, dass er die Geschichtsschreibung in Wemding mehr prägte als sonst eine Person. Andererseits kann man die Forschungsarbeit, die Schneid leistete, nicht genug loben. Vor allem während der Ferienzeit, als Schneid noch Lehrer war, widmete er sich unzählige Stunden den heimatkundlichen Studien.
Es sind wahrscheinlich mehr als 50 Aufsätze, die er damals und in seinem Ruhestand verfasste. Hierzu ist beispielsweise „Die Geschichte der Edlen von Wemding“ zu nennen. Als fundamental kann man die Häuserchronik bezeichnen, wobei Schneid die Wemdinger Hausbesitzer bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgte. Ein weiterer Meilenstein im Tun des Joseph Schneid bildet die Ordnung und Verzeichnung des Stadtarchivs. Monate, wenn nicht Jahre muss dieser Vorgang gedauert haben. Nebenbei hielt er auch noch Vorträge beim Verschönerungsverein Wemding und gab auch dem interessierten Bürger gerne Auskunft.
Hier eine kleine, nicht vollständige Übersicht seiner Abhandlungen. Diese nicht vollständige Übersicht seiner Abhandlungen sollen einen Einblick in das Wirken von Professor Schneid geben:
- Einer seiner ersten Aufsätze (1911) handelt von der Stadtmauer Wemdings und deren Schicksal. Zwei Jahre später schrieb Schneid das „Rechtsverfahren wider die Hexen zu Wemding im ersten Drittel des 17. Jh.“ nieder, welches auch in der Zeitschrift „Oberbayrisches Archiv“ veröffentlicht wurde.
- Verschiedenen Persönlichkeiten aus seiner Heimatstadt widmete er seine Freizeit, so etwa dem Botaniker Leonhart Fuchs oder dem Humanisten Vitus Amerpachius. Auch die Geschichte der Gotteshäuser lag ihm sehr am Herzen. So schrieb er über die Pfarrkirche St. Emmeram, über die Wallfahrtskirche Maria Brünnlein oder das Kapuzinerkloster. Zudem berichtete er über verschiedene Adelsfamilien, die in Wemding Besitzrechte und -titel hatten, zum Beispiel über die Familie derer von Wemding und vom See, über die „Bemelberg“ und die Grafen von Dillingen.
(Text von Thomas Kleinle, ehem. Stadtarchivar von Wemding)