Tradition in Wemding

Traditionen haben auch bei der Wemdinger Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Genau deshalb werden verschiedene Veranstaltungen in unterschiedlichen Zeitabschnitten regelmäßig gefeiert.

Pestprozession

Pestprozession

Es ist ein kirchliches, gesellschaftliches und kulturelles Großereignis, wie es in Süddeutschland äußerst selten anzutreffen ist: Die Pestprozession in Wemding. Die Einwohner der schwäbischen Kleinstadt erinnern alle 20 Jahre mit ihrem Gebetsmarsch in die 15 Kilometer entfernte Nachbarstadt Oettingen zur St.-Sebastian Kirche an einen Schwur ihrer Vorväter aus dem Jahr 1647. Das Wemdinger Magistrat hatte in einem Gelübde festgehalten, in regelmäßigen Abständen die Pestprozession abzuhalten und dem heiligen Sebastian eine große Pestkerze zu opfern, wenn ihre Ortschaft zukünftig vom "schwarzen Tod" verschont bleibe. So kam es – und bis heute wird die Tradition und Geschichte dieses Ereignisses gepflegt. Am 5. Mai 2012 war es zuletzt soweit: In festlicher Prozession sind zahlreiche Wallfahrer von Wemding nach Oettingen gepilgert, um am Altar des heiligen Sebastian ihre Votivkerze zu entzünden.

Angeführt wird die Prozession von der Pestkerze, traditionell getragen von den unverheirateten Männern der Kolpingfamilie. Gefertigt wurde die Kerze von den Schwestern des Wemdinger Karmelitinnen-Klosters. Im Jahr 2012 war sie mit der Inschrift „Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand“ versehen. Bereits einige Zeit vor der Prozession bringt die Kirchengemeinde die Kerze mit einem kleinen Kirchenzug in die Stadtpfarrkirche St. Emmeram. Dort können die Gläubigen sie aus der Nähe betrachten.

Schäfflertanz

Schäfflertanz

Der Schäfflertanz, der ein in Bayern verbreiteter Zunfttanz der Schäffler ist und seinen Ursprung im 16. Jahrhundert hat, wird auch in Wemding traditionell gefeiert. Das verbriefte Recht zur Aufführung dieses Tanzes hat die Wemdinger Schäfflervereinigung, als eine der wenigen bayerischen Vereinigungen noch heute. Den Tanz führten die Schäffler („Fassmacher“) auf, um der Bevölkerung nach der Schreckenszeit der Pest wieder Mut zu machen, auf die Straßen zu gehen. Von München aus verbreitete sich die heutzutage seltene Tradition vor ca. 140 Jahren nach Wemding. Damals nahm der Wemdinger Schäfflergeselle Johann Uhl während seiner Wanderjahre am Münchner Schäfflertanz teil und brachte so das Wissen mit nach Wemding. Seit dieser Zeit pflegen die Wemdinger ihren besonders schönen und aufwendigen Schäfflertanz mit viel Liebe und Idealismus.

Im 7-jährigen Turnus findet der von der Wemdinger Schäfflervereinigung organisierte Tanz statt und wird an ausgewählten Stellen in der Altstadt aufgeführt. Bestandteil der Vorstellung sind verschiedene Tanzelemente: „Schlange", "Laube“, "Kreuz", die beeindruckende „Krone“ und zum Abschluss das „Changieren“.

Im Mittelpunkt stehen die 20 Tänzer mit ihren buchsgebundenen Bögen und der Kronenträger. Weitere Akteure sind der Gambrinus (Schutzpatron der Brauer), der auf einem mannshohen Holzfass thront und das Symbol für die vollendete Arbeit der Fassmacher ist, das Münchner Kindl, das an die Herkunft des Tanzes erinnert und Geissböcke, die den Tänzern unter den Menschenmengen Platz zum Tanz verschaffen.

Am 23. Februar 2014 war es zuletzt wieder soweit, dass die etwa 70 Mitwirkenden der Wemdinger Schäfflervereinigung ihren Tanz präsentierten und ein buntes fröhliches Bild und gleichzeitig ein Stück Geschichte auf Wemdings Straßen brachten! Erst im Jahr 2021 ist es wieder Zeit für den nächsten Tanz! Er wird traditionsgemäß jeweils Faschingssonntag/1. März aufgeführt.

Fatimatage

Ein wiederkehrender Feiertag zum Gedenken der Marienerscheinungen im portugiesischen Fatima an jedem 13. eines Monats an der Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein. In Wemding wird der Tag ab den politischen Unruhen 1933 durch Gebete für Frieden zelebriert. Die beiden Brüder Bartholomäus Eisenlohr (Pfarrer bei Donauwörth) und Franz Eisenlohr (Lehrer) riefen die Fatimatage ins Leben. Am 13. Juni 1933 pilgerten sie nach Maria Brünnlein. Mit ihnen zog zum Ärger des NS-Regimes eine Vielzahl Gläubiger zur Wallfahrtskirche, um das Gnadenbild zu verherrlichen.

Trotz der Umstände zur Zeit des Dritten Reichs und den Einschränkungen ausgehend von der Regierung bleiben die Fatima-Tage bis heute erhalten. Der Fatimatag wurde bereits über 900 mal gefeiert und Maria Brünnlein dürfte damit wohl der Ort sein, an dem in Deutschland am längsten diese Gebetstage abgehalten werden. Fatima hat auch heute noch enormen Zuspruch der Bevölkerung. Zelebriert wird am Vor-Fatimatag (12. jeden Monats) eine Lichterprozession vom historischen Marktplatz zur Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein. Am Fatima-Tag selbst finden zahlreiche Gedenkgottesdienste und Andachten mit Gläubigen, Pilgern und Besuchergruppen aus der gesamten Region statt. 

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