Frühlingsempfang 2020: Im Zeichen der Gemeinschaft

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Mittwoch, 19. Februar 2020

Das bevorstehende Jubiläum des Fuchsien- und Kräutermarktes prägte den Frühjahrsempfang der Stadt Wemding im historischen Rathaussaal. Die rund 200 Gäste wurden Zeuge, wie mit Leonhart Fuchs ein wichtiger Sohn der Stadtgeschichte leibhaftig darüber sprach, wie vielfältig an ihn erinnert wird. Bürgermeister Dr. Martin Drexler nutzte den Abend derweil für einen Appell zum öffentlichen Zusammenhalt.

Charmanter Hauptpunkt des Frühjahrsempfangs war ein eher zufällig  entstandener Dialog zwischen Tourist-Leiterin Judith Strohhofer und dem Universalgelehrten Leonhart Fuchs (1501 – 1566), gespielt von Kulturreferent Josef Barta. Der berühmte Sohn Wemdings stellte sich selbst kurz vor: Als einer der Väter der deutschen Botanik, Humanist, Medizinprofessor und Arzt. Strohhofer informierte den äußerst lebendig wirkenden Fuchs darüber, dass im Mai die 20. Auflage des Fuchsien- und Kräutermarktes ansteht. An den Schautafeln könnten die Gäste des Empfangs viel Wissenswertes über die Veranstaltung erfahren. „Jaja, die Wemdinger“, meinte Fuchs/Barta etwas zerknirscht, die hätten ihn fast 500 Jahre vergessen. Erst im Zuge der „Schwäbisch Grünen Woche“ 1979 sei er ins Bewusstsein der Bürger geraten.Das Ehepaar Schäble habe sich damals stark eingebracht. Als Fuchs/Barta darauf hinwies, dass die  Fuchsien einen besonderen Bezug zu ihm hätten, konnte Strohhofer ihr Fachwissen unter Beweis stellen. Denn sie erläuterte, dass der Botaniker Charles Plumier eine neu entdeckte Pflanze in Südamerika zu Ehren von Fuchs nach ihm benannte – 130 Jahre nach dessen Tod. Fuchs/ Barta zeigte sich stolz darüber, dies sei aber nicht die einzige Ehrung gewesen. So ist die Wemdinger Grund- und Mittelschule seit 1985 nach ihm benannt, mehrere Jahre verkehrte ein ICE unter dem Namen „Leonhart Fuchs“ und 1986 wurde in Wemding sogar eine Fuchsienkönigin gekrönt. Am meisten freuten ihn, Fuchs/ Barta, jedoch die Feierlichkeiten anlässlich seines 500. Geburtstages 2001. Dazu wurden der Likör „Fuchstropfen“ hergestellt, eine Sonderbriefmarke erschien und erstmals fanden ein Kräuter- sowie ein Fuchsienmarkt statt. Ein Jahr später wurden die beiden Märkte vereint, schon damals kamen rund 8000 Besucher nach Wemding. Im Lauf der Zeit hat sich die Veranstaltung – bis 2009 unter Federführung des Kulturzirkels – enorm entwickelt. Im Rahmenprogramm wurde einmal sogar das Theaterstück „Unser Leonhart“ aufgeführt. „Das war toll“, meinte Fuchs/Barta. Heute ist der Fuchsien- und Kräutermarkt mit etwa 20.000 Gästen ein Pflichttermin für viele Gartenfreunde aus ganz Süddeutschland. Dazu passt die erfreuliche Nachricht, dass die Zahl der Übernachtungen im Erholungsort mit 51.256 (plus 0,36 Prozent) statistisch weiterhin auf hohem Niveau liegt.

Zum 20-jährigen Bestehen des Marktes hatte Tourist-Leiterin Strohhofer für den großen Sohn der Stadt eine Überraschung parat: Sein Kräuterbuch von 1543, eine der wichtigsten Grundlagen der Botanik, ist in Kürze digitalisiert in der Geopark-Infostelle lesbar. Über 400 Pflanzen sind darin beschrieben und in Holzschnitten dargestellt. Gemeinsam mit Bürgermeister Drexler enthüllten Strohhofer und Fuchs/Barta unter großem Applaus das digitalisierte Werk.

Zuvor hatte der Bürgermeister in seiner Begrüßung die Bedeutung des Zusammenhalts in der Gesellschaft betont. Nur geschlossen könne man etwa als Kommune die bevorstehenden Ziele erreichen. So nutzte der Rathauschef die Gelegenheit, um sich für starken Gemeinschaftssinn einzusetzen und bedankte sich dabei stellvertretend bei den zahlreichen anwesenden Vereinsvertretern für das dort gelebte ehrenamtliche Engagement. Kurz ging Drexler auch auf die aktuellen umfangreichen Projekte ein, wie die Generalsanierung der Realschule, die Ansiedlung der Lebenshilfe sowie die Kanal- und Straßenbaumaßnahmen – wobei er den zahlreich anwesenden überörtlichen Politikern für die Unterstützung dankte.

Abschließend verteilte Drexler auch Präsente. So etwa an Strohhofer und Barta für die gelungene Aufführung des Dialogs zwischen Historie und Moderne. Und angesichts des 20-jährigen Fuchsienmarkt-Jubiläums überreichte er an Personen, die in Vergangenheit und Gegenwart maßgeblich zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben, ebenfalls kleine Geschenke: Heidi Dietrich und Anneliese Till vom Kulturzirkel, den früheren Verkehrsamtsleiter Reiner Brand sowie die aktuelle Hauptorganisatorin Helga Holzinger-Hilt. Den musikalischen Rahmen des Frühjahrsempfangs gestaltete die Stadt- und Jugendkapelle Wemding unter Leitung von Dirigent Peter Million, der für den Abend wieder einige spezielle Stücke ausgewählt hatte.

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