Die ungleichen Brüder Wemdings

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Montag, 04. Februar 2019

Vom 29. Mai bis 2. Juni feiert die Stadt Wemding mit ihrem historischen Stadtfest „Löwen, Gunst und Gulden“ nicht nur die Bayerischwerdung im Jahr 1467 sondern auch die Erbauung des zweiten Turms der Pfarrkirche St. Emmeram vor 400 Jahren. Die Pfarrkirche ist seit jeher ein Wahrzeichen der Stadt. Sie wurde Anfang des 14. Jahrhunderts nach Osten erweitert. 1559 brannte durch die Unachtsamkeit des Türmers der Südturm bis zur Glockenstube ab. Die Pfarrkirche hatte bis zu diesem Zeitpunkt nur einen einzigen Turm. Im Büro von Bürgermeister Dr. Martin Drexler hängt der Beweis. „Gegenüber von meinem Schreibtisch hängt das älteste noch erhaltene Bild Wemdings, auf der die Stadtpfarrkirche mit nur einem Turm zu sehen ist“, erklärt das Stadtoberhaupt.

Aber auch an einem anderen, berühmten Ort ist diese Abbildung zu sehen. Im Antiquarium in München. Es wurde zwischen 1568 und 1571 von Herzog Albrecht V. als Erweiterung der Münchener Residenz errichtet und später zu einem Festsaal erweitert. Auf einer Länge von 66 Metern gilt der Erdgeschosssaal des Antiquariums als der größte Renaissancesaal nördlich der Alpen.  Die Stichkappen und die Fensterlaibungen sind mit 102 Ansichten von bedeutenden Städten, Märkten, Burgen und Schlössern des damaligen Herzogtums Bayern geschmückt.

Auch die Silhouette Wemdings mit nur einem Turm der Stadtpfarrkirche ist zu sehen. Weil der Turm neben starken Rissen auch eine bedenkliche Neigung nach Südwesten aufwies, begann man damit, zu seiner Entlastung 1619 einen zweiten Turm, den Nordturm, zu bauen. Jener Herzog Albrecht V. von Bayern stiftete hierfür 800 fl. (florentiner Gulden). Noch heute ist die Schieflage von bis zu 50 Zentimetern mit dem bloßen Auge zu erkennen. Als die Höhe von 62 Fuß (rund 20 Meter) erreicht war, übertrug man, mithilfe eines stabilen Steges, die Glocken aus dem alten in den neuen Turm. Auf dem Glockenturm befinden sich seit der Mitte des 18. Jahrhunderts vier Glocken. Drei davon stammen schon aus dem 16. Jahrhundert. 1661 wurde der Bau des zweiten Turmes fertiggestellt. Da der Nordturm einen Meter kürzer und etwas schlanker ist, bezeichnen die Wemdinger die Zwillingstürme als die ungleichen Brüder.

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